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Mailinglisten
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1. Was ist eine Mailingliste?
Ein Diskussions- und/oder Informationsmedium, vergleichbar vielleicht mit
einem Postverteiler.
Die an die Liste verschickte Mail wird an alle Teilnehmer der Liste
("Subscriber") weitergeleitet. Diese können, wenn sie wollen, jetzt darauf
antworten und diese Antwort ebenfalls an die Liste schicken, so daß sie
wieder alle Teilnehmer erreicht. Es gibt allerdings auch Mailinglisten, in
die nur der Betreiber oder nur bestimmte Personen hineinschreiben können
(der Rest darf nur lesen), oder moderierte Listen, bei denen alle Beiträge
erstmal von einem Moderator vorgefiltert werden.
Üblicherweise gibt es zu einer Mailing-Liste drei Mailadressen:
- die der Liste selbst, an die man seine Mails zur Verteilung schickt,
- eine Verwaltungsadresse, die von einem Programm "gelesen" wird, das auf
bestimmte Befehle reagiert, und
- die Adresse des Listenbetreibers, an dem man sich bei Fragen oder
Problemen wenden kann.
Mailinglisten gibt es zu den verschiedensten Themen, mit mehr oder weniger
vielen Teilnehmern, lebhaftem oder weniger lebhaftem Mailverkehr und mit
unterschiedlicher Qualität des Inhalts und der technischen Abwicklung.
2. Wie kann ich an einer Liste teilnehmen?
2.1 Die Liste finden
Zunächst muß man sie einmal finden. :-)
Entweder bekommt man aus anderen Quellen (Homepage, Usenet, ...) einen
Hinweis auf die Liste, oder man kann einen Suchdienst benutzen. Die mir
bekannten Dienste sind derzeit allerdings scheinbar nicht erreichbar.
Viele Mailinglisten (zur Zeit 163.825 - Stand: 22.04.99) werden im
LISTSERV-Backbone betrieben. Immerhin 24.494 (Stand: 22.04.99) davon sind
öffentlich zugänglich und können über CataList
(<http://www.lsoft.com/catalist.html>) gesucht werden. Darüber kann man sich
dann auch meistens direkt in die Liste eintragen.
2.2 Bei der Liste anmelden
Danach kann man sich anmelden, d.h. seine E-Mail-Adresse registrieren
lassen.
Im allgemeinen ist dazu ein entsprechendes Kommando an die
Verwaltungsadresse der Liste zu schicken, teilweise kann man sich
stattdessen oder zusätzlich auch über ein WWW-Formular eintragen. Die
genaue Vorgehensweise ist je nach Verwaltungsprogramm unterschiedlich; mit
dem Stichwort "subscribe", gefolgt vom Listennamen und der eigenen
Mailadresse, als Subject oder in der ersten Zeile im Mailbody, liegt man
jedoch häufig richtig. Im Zweifelsfall schickt man eine E-Mail mit dem
Subject "help" und dem Wort "help" als einzige Zeile im Body; als Antwort
darf man dann eine ausführliche Anleitung erwarten. Wenn gar nichts mehr
geht, kann man sich schließlich auch an den Listenbetreiber wenden und ihn
um eine Anleitung oder den Eintrag per Hand bitten - aber erst dann, wenn
man die oben genannten Möglichkeiten schon vergeblich ausprobiert hat!
Für die Abmeldung gilt im übrigen das gleiche: das Vollmüllen der Liste
mit "Bitte tragt mich aus!" oder verzweifelte E-Mails an den
Listnebetreiber (der auch so genug zu tun hat) sind überflüssig, wenn man
die Anleitung - die man meist als allererste E-Mail von der Liste bekommt -
aufbewahrt und bei Bedarf hineinschaut.
3. Wie kann ich eine Liste selbst betreiben?
Dafür gibt es im Prinzip zwei verschiedene Wege.
3.1 (Kostenlose) Newsletter-/Mailinglisten-Anbieter
Einmal kann man das (meist kostenlose) Angebot diverser Anbieter nutzen.
Unter
finden sich Dienste, bei denen man eigene Mailinglisten einrichten kann.
Die Teilnehmer können sich per E-Mail oder über ein WWWW-Formular
eintragen und ihre Einstellungen ändern, es besteht die Möglichkeit, sich
die Bestätigung eines neuen Mitglieds vorzubehalten etc. Allerdings sind
diese Dienste manchmal etwas langsam und hängen Werbung an die versandten
Mails an, über die sie sich finanzieren. Auch werden oft Standards nicht
eingehalten: OneList / EGroups löscht bspw. bei einer der beiden gültigen
Varianten für die Angabe von Name und Absender den Namen heraus, und mit
Umlauten im Subject (Betreff) kommen diese Anbieter alle nicht klar.
Außerdem ist die Administration im allgemeinen nur über ein Webinterface
und damit online (kostenintensiv) möglich. Dafür werden z.T. umfangreiche
Konfigurationsmöglichkeiten und Zusatzdienste angeboten: automatischer
Versand von Dateien / Texten zu bestimmten Gelegenheiten, Ablage von
Dateien (auch durch Listenteilnehmer), Votings, Kalender mit automatischer
Erinnerung, ...
Auch der E-Mail-Provider GMX (<http://www.gmx.de/>) bietet sog. E-
Mail-Verteilerlisten an. Diese können jedoch nur vom Listenbetreiber
selbst per Hand über WWW-Formulare gepflegt werden und bieten sonst auch
keinerlei für Mailinglisten erforderliche oder erwünschte Funktionalität;
so kann jedermann, nicht nur Teilnehmer, an diese Listen schreiben,
Fehlermeldungen gehen nicht an den Listenbetreiber, sondern den Absender
von Mails etc. An diese Alternative sollte man nur denken, wenn der
Teilnehmerkreis weitgehend unverändert bleibt und die Liste nur sehr
selten, bspw. für regelmäßige Ankündigungen, genutzt wird.
Wer in einer Einrichtung tätig ist, die Mitglied beim DFN-Verein ist
(z.B. fast alle Unis), kann kostenlos beim DFNLIST
(<http://www.listserv.dfn.de/>) über ein Formular auf dem WWW-Server eine
wissenschaftliche Liste beantragen. Die Liste kann man dann über Mail oder
über das WWW verwalten. Man hat dabei alle Möglichkeiten, die LISTSERV
bietet.
3.2 Selbst einen Mailinglisten-Server betreiben (lassen)
Die andere Alternative ist, selbst ein Mailinglistenprogramm zu
installieren (oder einen Provider, eine Firma oder Uni zu finden, die
dazu bereit ist und einem dann die Konfiguration ermöglicht). Das geht
prinzipiell auch bei einem System, das nicht ständig online ist, sondern
sich nur ein- oder mehrmals täglich einwählt (also einem typischen Home-
System). Das ist sicher zunächst mal mehr Arbeit und bietet vielleicht
nicht so viele - zumindest auf den ersten Blick - tolle Möglichkeiten wie
die kostenlosen Anbieter, aber es ist dafür ein System, das man selbst
kontrollieren kann und sicherlich die professionellere Lösung.
Angebote zum Betrieb eigener Mailinglisten findet man weniger bei großen
und/oder kommerziellen Anbietern, sondern mehr bei kleinen Vereinigungen
und Vereinen. Dazu zählen unter anderem (wo mir ein solches Angebot
bekannt ist - Ergänzungen und Korrekturen gerne genommen!):
- jpberlin (für Kunden ohne Aufpreis)
- INKA (für Kunden ohne Aufpreis)
- Gleiches gilt wohl auch für die meisten anderen ehemaligen
Regionaldomains des in Auflösung befindlichen
Individual Network e.V.
- cid (gegen Aufpreis)
Oft hilft es aber auch, einfach mal nachzufragen: bei einem solchen
Verein, bei der Uni oder einem Institut, bei einem Bekannten, der in der
Branche tätig ist oder auch dem eigenen Provider. Wenn die Liste nicht
gerade von Teilnehmerzahl bzw. Anzahl und Größe der Mail astronomische
Ausmaße annimmt, spricht da häufig nichts dagegen.
Ansonsten sind (für den Eigenbedarf ;-)) als Mailinglistenprogramme unter
Unix für diese Zwecke
- LISTSERV (<http://www.lsoft.com>)
- setzt MTA (Mail Transport Agent) wie sendmail, smail o.ä. voraus
- Bestellen / Abbestellen via Mail-Interface
- Listen-Management-Funktionen per Mail möglich, d.h. komplette
Administration geschieht mittels Mail-Interface
- Listen-Management-Funktionen auch per WWW möglich
- kann Listen auch auf Basis einer bestehenden Datenbank verwalten
- voll konfiguerierbare Templates (Antwortmails und WWW-Interface)
- unterstützt private, öffentliche und moderierte Listen
- Index- und Digest-Support
- umfangreiche Archiv-Funktionen, automatische WWW-Archive, vielfältig
anpassbar, inkl. Schutz für private Listen, Download von kompletten
Archiven, umfangreiche Suchmöglichkeiten
- Dateifunktionen zum Ablegen und Abrufen von anderen Dateien
- SPAM-Abwehr (unter anderem sehr effektiv durch den Backbone, s.u.)
- Filter
- mehrere Administratoren, Moderatoren und Editoren pro Liste möglich
- Bulk-Mail-Handling (mehrere Mails werden gleichzeitig an den MTA
übergeben)
- arbeitet zur optimalen Netzauslastung in einen Backbone
- sehr schnell besonders bei großen Listen
- LISTSERV ist das älteste Produkt auf diesem Sektor und hat daher die
meisten Erfahrungen
- kommerzielle Software
- aktuelle Version 1.8d
- eine umfangreiche Dokumentation findet sich unter
<http://www.lsoft.com/manuals/1.8d/index.html>
- LISTSERV arbeitet auch unter Windows NT (und unter OpenVMS und VM)
- Lyris (<http://www.lyris.com/>)
- Umfangreiches Mailinglistenprogramm, einfach und schnell zu installieren
- Vorgesehen für ein ständig online befindliches System, auf dem zugleich
ein Webserver läuft (eigene Version des Apache anbei)
- Mailempfang per SMTP, integrierter Mailserver (Port frei wählbar)
- komplett per WebInterface zu administrieren unterteilt nach Server-, Site- und
ListAdmin - WebArchiv
- bis 200 Listenteilnehmer Freeware
- Majordomo (<http://www.greatcircle.com/majordomo/>)
- setzt MTA (Mail Transport Agent) wie sendmail, smail o.ä. voraus
- Bestellen / Abbestellen via Mail-Interface
- Listen-Management-Funktionen per Mail möglich, d.h. komplette
- Administration geschieht mittels Mail-Interface
- unterstützt private, öffentliche und moderierte Listen
- Digest-Support (tägliche Zusammenfassung der geposteten Mails)
- eingebaute Archiv-Funktion, auf Wunsch werden archivierte Mails zugestellt
- Filter (Header, Body) basierend auf Regulären Ausdrücken (Regular
Expressions)
- geschrieben in Perl, läuft auf allen Plattformen, die von Perl
unterstützt werden, leicht erweiter- und anpassbar
- Lizenz nach MAJORDOMO LICENSE AGREEMENT (zusammengefasst: Majordomo
darf ohne Bezahlung verwendet werden, auch auf kommerziellen Sites,
jedoch nicht verkauft werden)
- aktuelle Version: 1.94.4
- Mailinglisten, FAQs auf o.g. Web-Seite
- Petidomo (URL früher einmal: <http://www.petidomo.com/>)
- schnell, klein...
- kommerziell, Preis ca. DM 520 pro Lizenz
- Mailman (<http://www.list.org/>)
- setzt MTA (Mail Transport Agent) wie sendmail, smail o.ä. voraus
- Bestellen / Abbestellen von Listen via WWW- und Mail-Interface
- Administration der Listen komplett via WWW-Interface
- unterstützt private, öffentliche und moderierte Listen
- Digest-Support
- umfangreiche Archiv-Funktionen, automatische WWW-Archive, vielfältig
anpassbar, inkl. Schutz für private Listen, Download von kompletten
Archiven
- SPAM-Abwehr (Ausschlusslisten, Liste erlaubter Adressen)
- mehrere Administratoren pro Liste möglich
- WWW-Interface vollständig anpassbar
- integriertes Mail2News und News2Mail-Gateway
- Bulk-Mail-Handling (mehrere Mails werden gleichzeitig an den MTA
übergeben)
- geschrieben in Python, läuft aktuell jedoch nur unter Unix
- Lizenz: GNU General Public License
- aktuelle Version: 1.1 respektive 2.0 beta 5 [06.09.00]
- Mailinglisten zu Mailman, FAQs etc. auf o.g. Web-Seite
- List Processor (<http://www.cren.net/listproc/>)
- aktuelle Version: 8.2
- kommerzielle Software
- eSquire (<http://www.gamerz.net/esquire/>)
- ezmlm (<http://cr.yp.to/ezmlm.html>)
- ezmlm-idx (<http://www.ezmlm.org/>)
- Ecartis (vormals Listar) (<http://www.ecartis.org/>)
- Minimalist (<http://www.mml.org.ua/>)
- Minordomo (<http://minordomo.org/index.php>)
- Sympa (<http://www.sympa.org/>)
- Perl-basierend
- verwendet vorhandenen Mail- und Webserver (Apache)
- Installation des reinen MLMs dauert ein bißchen, da noch einige Perl- Module
(CPAN) installiert werden müssen
im Angebot.
Unter Windows gibt es
- LISTSERV (<http://www.lsoft.com>)
vgl. oben unter Unix
- Lyris (<http://www.lyris.com/>)
vgl. oben unter Unix
- Mailtraq (<http://www.mailtraq.com/>)
- Mail-, News- und Multi-Server, der u.a. auch Mailinglisten beherrscht; MTA ist
integriert
- Funktioniert auch auf einem Dialup-System, bedeutet für eine simple
Mailingliste aber mit Kanonen auf Spatzen zu schießen
- Mailempfang per SMTP oder POP3
- Bestellen / Abbestellen von Listen via Mail-Interface
- Wartung der Liste über Webinterface möglich
- einige konfigurierbare Templates
- unterstützt private, öffentliche und moderierte Listen
- Digest-Support
- Kombination mit Mail-Archiv möglich
- Filter (nur Header) basierend auf einfachen Filterausdrücken
- mehrere Administratoren pro Liste möglich
- integriertes Mail2News und News2Mail-Gateway
- weitere Modifikationen sind über die servereigene Scriptsprache
möglich
- geschrieben in Delphi 3
- kommerzielle Software, günstigste Lizenz rund 59,- Euro
- aktuelle Version: V 1.1.4 Build 1130 [14.08.00]
- Private Infopage (deutsch): <http://ftischendorf.bei.t-online.de/>
- Mailinglisten zu Mailtraq, FAQs etc. auf den genannten Web-Sites
- Mercury (<http://www.pmail.com/>)
- SVList (<http://www.softventures.com/>)
- reines Mailinglistenprogramm für den Heimanwender: leicht zu konfigurieren,
alle wesentlichen Funktionen vorhanden
- Vorgesehen für kleine Listen mit wenigen hundert Teilnehmern auf einem
Dialup-System
- Mailempfang ausschließlich per POP3
- Bestellen / Abbestellen von Listen via Mail-Interface
- unterstützt private, öffentliche und moderierte Listen
- Digest-Support
- aktuelle Version: 3.1
- Shareware, Lizenzgebühr rund $49
- Arrow Mailinglisten-Manager (<http://www.jadebox.com/arrow/>)
- reines Mailinglistenprogramm für den Heimanwender: leicht zu konfigurieren,
enormer Funktionsumfang, vielfältig konfigurierbar
- Mailempfang ausschließlich per POP3
- Bestellen / Abbestellen von Listen via Mail-Interface
- frei konfigurierbare Templates und Schedules
- vielfältig anpaßbar, mannigfaltige
Konfigurationsmöglichkeiten
- unterstützt private, öffentliche und moderierte Listen
- Digest-Support
- Shareware, Lizenzgebühr rund $50; kostenlose Test-Version erlaubt 1
Mailingliste mit max. 50 Teilnehmern
- Alisia (<http://www.hoesle-kienzlen.de/alisia.htm>)
Auch das Mailprogramm Pegasus-Mail bietet theoretisch ab seiner Version
3.0 die Möglichkeit, eine Mailingliste zu realisieren, indem mittels
verschiedener Filter eingehende E-Mail auf eine Verteilerliste umgelenkt
wird oder diese modifiziert (Teilnehmer ein- oder austrägt). Das
erfordert jedoch umfangreiche Einarbeitungszeit und gute Kenntnisse des
Programms.
3.3 Noch Fragen?
Für weitere Fragen zu dem Thema "Betrieb eigener Mailinglisten" dürfte die
Newsgroup de.comm.software.mailserver passend sein.
4. Hinweise für Mailinglistenbetreiber
[wird noch ergänzt]
5. Credits
Für wertvolle Hinweise und Ergänzungen vielen Dank an
- Oliver Betz
- Christian Bonkowski
- Ralf Ebeling
- Ralf Geschke
- Thomas Knecht
- R. Renkema
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