Viele juristische Ressourcen sind mittlerweile online zugänglich.

Das gilt nicht nur für die großen juristischen Datenbanken und Literaturanbieter wie das Rechtsportal juris oder die Datenbank beck-online des gleichnamigen großen Fachverlags, die durchaus habhafte Preise für den Zugang verlangen - auch die öffentliche Hand, noch mehr aber private Firmen und Initiativen bieten überraschend umfassende Rechtsinformationen nicht selten hoher Qualität frei zugännglich für die Allgemeinheit an.

Einige dieser Ressourcen möchte ich hier darstellen.

Gesetzestexte

dejure.org

dejure.org ist ohne Zweifel der Platzhirsch unter den Anbietern von Rechtsinformationen wie Gesetzestexten, aber auch Rechtsprechung - wobei der Fokus in jüngerer Zeit auf letzterem liegt.

Dennoch bietet dejure.org eine Vielzahl von Bundesgesetzen und einige Vorschriften des baden-württembergischen Landesrechts mit einer immer noch unvergleichlich komfortablen Benutzerführung, ergänzt um Angaben zur letzten Änderung mit Links zum Bundesgesetzblatt und teilweise auch der parlamentarischen Dokumentation sowie den Synopsen von lexetius.com. Ist eine Norm nicht verfügbar, wird die Anfrage in der Regel an buzer.de weitergeleitet. Im Anschluss an jede Norm finden sich Querverweise zu anderen Vorschriften, Nachschlagewerken und anderen Informationstexten, vor allem aber zu einer immer weiter ausgebauten Rechtsprechungsdatenbank.

Auch in dieser Rechtsprechungsdatenbank lässt sich suchen; zu jeder Entscheidung findet sich dann - soweit bekannt - der Instanzenzug einschließlich vorangehender und nachfolgender weiterer Entscheidungen im selben Verfahren sowie eine Liste von verfügbaren (kostenfreien wie kostenpflichtigen) Leitsatz- und Volltextanbietern, Presseberichten und Entscheidungsbesprechungen.

Damit nicht genug - neben diesem reichhaltigen Angebot findet sich die Möglichkeit, mithilfe eines Accounts einen personalisierten Suchverlauf und vor allem auch eine personalisierte Merkliste von Entscheidungen mit optionaler Benachrichtigung bei der Erfassung weiterer Texte (nachfolgende Entscheidungen, Berichte oder Besprechungen) anzulegen. Schließlich punktet dejure.org mit einer "juristischen Vernetzungsfunktion", die es ermöglicht, über eine einfache Schnittstelle Gesetzes- und Rechtsprechungsverweise auf das Angebot von dejure.org in eigene Online-Angebote aufzunehmen. Für eine Vielzahl von Blogsystemen und CMS stehen fertige Plugins zur Nutzung dieser Schnittstelle bereit.

dejure.org ist damit der "Vernetzungskönig" unter den freien juristischen Informationsdiensten und zugleich der vielseitigste Anbieter.

buzer.de Bundesrecht - tagaktuell dokumentiert - effizient recherchiert

buzer.de enthält tagesaktuell nahezu das gesamte Bundesrecht (mehr als 4.000 aktuell geltende Vorschriften) einschließlich - eingearbeiteter - Änderungsgesetze mit der Möglichkeit, die Änderungen (bis ca. 2006 zurück) in Form von Synopsen darzustellen, ergänzt um Links zum parlamentarischen Dokumentations- und Informationssystem DIP, in dem der Beratungsgang der jeweiligen (Änderungs-)Norm dokumentiert ist.

buzer.de ist die optimale Anlaufstelle zum Abruf aktueller Normtexte, aber auch für Recherchen über Gesetzesänderungen. Zudem kann man sich durch einen Newsletter-Dienst über die nie erlahmende Tätigkeit des Gesetzgebers auf bestimmten oder auch allen Rechtsgebieten auf dem Laufenden halten lassen. Auch hier wird eine "Vernetzungsfunktion" wie bei dejure.org angeboten, die sich allerdings auf die Verlinkung von Gesetzesfundstellen beschränkt und keine Fundstellen aus der Rechtsprechung erfassen kann.

Der Zugriff auf die Gesetze ist übrigens auch über eine Android-App möglich.

lexetius.com - Gesetze mit historischen Synopsen

Bei lexetius.com wird eine Auswahl von rund 100 deutschen Bundesgesetzen mit historischen Synopsen bis zurück zum Erlass der ersten Fassung der jeweiligen Norm dargestellt, komplett mit Angabe der (und, soweit verfügbar, Link zu den) jeweiligen Änderungesetze(n). Normen von zentraler Bedeutung wie das Bürgerliche Gesetzbuch, das Strafgesetzbuch und Zivil- und Strafprozessordnung lassen sich so bis in das 19. Jahrhundert zurückverfolgen.

Zum Überblick über das aktuell geltende Recht ist das Angebot nicht nur nicht nur aufgrund seiner Konzentration auf vergleichsweise wenige Vorschriften, sondern vor allem auch angesichts der gewählten Navigation weniger geeignet. lexetius.com ist aber die Anlaufstelle für rechtshistorisch Interessierte und für alle diejenigen, die exakte Informationen über einen bestimmten früheren Rechtsstand benötigen.

Gesetze im Internet
Das BMJV stellt in Zusammenarbeit mit juris auch selbst nahezu das gesamte Bundesrecht ins Netz - allerdings mit einer sehr wenig komfortablen Navigation, ohne jede Vernetzung und zudem nicht tagesaktuell aktualisiert. Der Wert dieses Angebots ist gering.
Verwaltungsvorschriften im Internet
Interessanter ist das - ebenfalls durch das BMJV in Zusammenarbeit mit juris realisierte - Online-Angebot der Verwaltungsvorschriften der obersten Bundesbehörden, die es anderswo meiner Kenntnis nach so nicht zu finden gibt.
rechtliches.de
Auch rechtliches.de bietet eine Sammlung des Deutschen Bundesrechts nach Rechtsgebieten, und zwar in Form einer Linksammlung - nicht also einer Sammlung der Gesetzestexte selbst. Früher ein sehr wertvolles Angebot, sind diese - auch optisch etwas "hausbacken" daherkommenden - Seiten durch umfassende Angebote wie die von dejure.org und vor allem buzer.de weitgehend überholt.

Von größerem Interesse wird ggf. die dortige Linksammlung zum Landesrecht sein.

Landesrecht

Mittlerweile haben auch die Bundesländer ihr jeweiliges Landesrecht - selbst oder in Zusammenarbeit mit Anbietern wie juris - online zur Verfügung gestellt.

Rechtsprechung (und Literatur)

Lange waren insbesondere Rechtsprechungsdatenbanken eine Domäme kommerzieller Anbieter; doch mittlerweile gilt das nicht mehr, auch diese Inhalte sind oft frei verfügbar.

dejure.org
Erste Anlaufstelle auf der Suche nach einer bestimmten Entscheidung sollte (nach Google …) der bereits bei den Gesetzesdatenbanken genannte Anbieter dejure.org sein, weil dort eine (möglichst) umfassende Dokumentation aller Volltext- und Leitsatzveröffentlichungen verfügbar ist. Andere Anbieter stellen nur ihre eigenen Inhalte durchsuchbar zur Verfügung.
openJur - die freie juristische Datenbank
openJur bietet mehr als 350.000 Gerichtsentscheidungen im Volltext kostenlos zum Abruf an.

Rechtsprechungsdatenbanken des Bundes

Die obersten Gerichte des Bundes und das Bundesverfassungsgericht stellen jeweils Entscheidungsdatenbanken zur Verfügung.

Rechtsprechungsdatenbanken der Länder

Auch die Länder bieten eigene Rechtsprechungsdatenbanken an, die von den Gerichten für veröffentlichungswürdig erachtete Entscheidungen enthält. (Soweit manche Länder die Entscheidungen auf den Webseiten der jeweiligen Gericht veröffentlichen und keine zentrale Datenbank anbieten, wurde von einer Auflistung abgesehen.)

Teileweise sind die hier angegebenen Links mit der Linksammlung zum Landesrecht identisch.

Zeitschriften

Selbstverständlich sind nicht nur Gerichtsentscheidungen online zugänglich, sondern auch die klassischen juristischen Fachzeitschriften haben ein Onlineangebot, das für Abonnenten (der Zeitschrift und/oder des Onlinedienstes) zugänglich ist. Neben diesen Onlineversionen gedruckter Zeitschriften existieren mittlerweile aber auch nur online publizierte Zeitschriften.

HRR-Strafrecht.de
Zumindest dem Strafrechtler wird bei diesem Stichwort als erstes die HRRS, die Onlinezeitschrift für Höchstrichterliche Rechtsprechung zum Strafrecht, einfallen, die seit 2000 nicht nur die Rechtsprechung der Strafsenate des Bundesgerichtshofs (und die strafrechtlich bedeutsamen Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts, des EMGR und des EuGH) dokumentiert, sondern darüber hinaus auch "Aufsätze, Entscheidungsanmerkungen, Rezensionen und Materialien zum Strafrecht" bietet.
JurPC
Der IT-affine Jurist hingegen wird an die JurPC denken, die nach Print-Anfängen seit 1968 schließlich seit 1997 als Internet-Zeitschrift für Rechtsinformatik und Informationsrecht online ("Open Access") erscheint.
ZIS
Jüngeren Datums ist die Zeitschrift für internationale Strafrechtsdogmatik, die monatlich als PDF erscheint.
ZJS
Die Aufzählung schließen will ich mit der Online-Zeitschrift für das juristische Studium, die seit 2008 ebenfalls monatlich als PDF erscheint.

Gesetzgebung

DIP (Dokumentations- und Informationssystem für Parlamentarische Vorgänge)
Das Dokumentations- und Informationssystem für Parlamentarische Vorgänge stellt die gemeinsame Parlamentsdokumentation von Bundestag und Bundesrat dar. Dort lässt sich unter anderem der aktuelle Stand wie auch der Gang der Gesetzgebung mit den "amtlichen" Begründungen und den Protokollen der Beratungen ab der 16. Legislaturperiode (10/2005) nachvollziehen.
DIP "alt"
Die in der 8.-15. Wahlperiode (12/1976 bis 10/2005) angefallenen Dokumente sind im "alten" DIP erfasst.

Weitere Tools

Neben Gesetzes-, Entscheidungs- und parlamentarischen Datenbanken gibt es noch einige weitere kleine Helferlein.

Datenbankinformationssystem (DBIS)
Das DBIS listet alle freien, kommerziellen und/oder an universitären Einrichtungen verfügbaren Fachdatenbanken auf. Hier sind gezielt nur freie juristische Datenbanken aller Art verlinkt, immerhin noch mehr als 300. Die Gesamtzahl der erfassten juristischen Datenbanken liegt bei über 1.000.
Orts- und Gerichtsverzeichnis
Das OGV ist ein unentbehrlicher Helfer bei der Suche nach den örtlich zuständigen Gerichten und Staatsanwaltschaften.
Bundesweites Amtliches Anwaltsverzeichnis
Im Rechtsanwaltsregister sind alle zugelassenen Rechtsanwälte in der Bundesrepublik Deutschland erfasst.
Prozesskostenrechner des DAV
Der Prozesskostenrechner des Deutschen Anwaltsvereins bietet umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten zur Abschätzung des Kostenrisikos in Zivilsachen an.